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Von Elsfleth haarscharf an Kirwall/Orkney vorbei :-(
über Lerwick/Shetland nach Bergen - Seite 2
Am nächsten Morgen begann dann für alle der normale Dienst an Bord. Nach der obligatorischen Musterung wurden dann die Regelwachen (Ausguck, Brandwache, Bojenwache, Ruderwache, Brückenwache, Kombüse) eingeteilt.
Aus der bisherigen Buoywatch (Bojenwache) hat zwischenzeitlich ein Spaßvogel die Baywatch (Pamela Anderson lässt grüssen...) gemacht und dieser Begriff hat sich ziemlich eingebürgert. Die anderen Trainees wurden mit Segel- oder sonstigen Arbeiten
beschäftigt oder begannen mit dem Riggtraining.
"Sergeant" John sorgte mit seinem schottischen Humor schon dafür, dass der Spaß hierbei nicht zu kurz kam.
John ist ein echter Highlander (..es kann nur einen geben..), für die es ja bekanntlich kein schlechtes Wetter gibt. John erschien an Deck immer in kurzer Hose und im T-Shirt - egal ob wir Touris im dicken Ölzeug aufliefen oder nicht.
Am ersten Segeltag (Dienstag) hatten wir nur leichten Wind und bewegten uns zwischen einem Tiefdruckgebiet im Westen und einem Hochdruckgebiet im Osten langsam in Richtung Orkney.
Am Mittwoch erwischte uns dann eine völlige Flaute.
Die Segel hingen schlaff von den Rahen und wir machten kaum noch Fahrt über Grund. Dementsprechend faul gestaltete sich das Leben an Bord.
Es war allerdings schon sehr frustrierend zu sehen, wie ein Schwarm Möwen gemütlich in unserem Kielwasser schwamm und uns zeitweilig sogar dabei überholte.
Zwischenzeitlich sorgten an Bord einige gefiederte blinde Passagiere für Unterhaltung, die unser Schiff kurzerhand als Flugplatz ausgewählt hatten. Es wurden keine Mühen gescheut, die müden Gäste
wieder aufzupäppeln. Irgenwie haben wir dann aber auch den Flautentag herumbekommen, es blieb viel Zeit für etwas Klönsnack mit den Mitseglern. Man hat aber mal einen Eindruck bekommen, wie sich früher die
Seeleute gefühlt haben, wenn tage- oder wochenlang kein Wind aufkam. Wenn man dann nichts hat, um sich zu beschäftigen, kommt schnell der Bordkoller auf.
Am Donnerstag frischte der Wind aber wieder deutlich auf und für den Abend war sogar Starkwind angekündigt. So kam an Bord keine Langeweile auf, es wurde wieder gebrasst und die Bordroutine kam wieder in Gang.
Wir bekamen die Aufgabe, Tausendfüßler herzustellen. Diese werden zum Schutz der Segel vor dem Schamfilen um das stehende Gut gewickelt.
Aus altem Tauwerk werden ca. 20 cm lange Stücke geschnitten. Diese Stücke werden dann in die einzelnen Garne aufgedröselt und um straff gespannte Seile geknotet. Mit der Zeit hatten wir den Bogen raus und es
sind gemeinschaftlich meterlange Tausendfüßler fertiggestellt worden.
Anschließend hatte ich endlich mal Gelegenheit, mit der Kamera ins Rigg zu steigen und mir neben der tollen Aussicht von oben auch einmal so einen Tausendfüßler näher anzusehen.
Am Abend und über Nacht frischte der Wind mächtig auf und entwickelte sich bis zum Freitag zu einem ausgewachsenen Sturm. Zeitweilig hatten wir Windstärke 9-10 und meterhohe Wellen.
Da der Wind aber nach und nach stärker geworden ist, wurden nur noch wenige Mitsegler seekrank.
Für ein etwas komisches Gefühl im Bauch hat der Sturm bei mir schon gesorgt - es war ja schließlich mein Erster -
aber ernsthafte Sorgen habe ich mir nicht gemacht. Das Schiff ist problemlos mit diesen Bedingungen klar gekommen und lag trotz des schweren Seegangs erstaunlich ruhig. Einige Verluste gab es aber auch. Zwei Stagsegel sind gerissen, auch der Windmesser
am Masttop hat seinen Geist aufgegeben.
Mehr gibt es auf der nächsten Seite.