|
 |
http://www.faszination-segelschiffe.de Stefans Segelseiten |
 |
|
Segeln in der Wintersonne mit der Brigg "Roald Amundsen"
Nachdem ich in den letzten 3 Jahren Urlaub auf den ganz großen Windjammern gemacht habe, habe ich mir für das Jahr 2005 ein etwas kleineres, aber deshalb nicht weniger interessantes
Schiff ausgesucht, die Brigg "Roald Amundsen" aus Eckernförde. Bei diesem Schiff handelt es sich ursprünglich um einen Fischlogger (Baujahr 1952), der jedoch bereits während der Bauphase von der NVA der
ehemaligen DDR als Tanklogger ausgebaut wurde. Das Schiff erhielt große Tankkapazitäten und wurde unter dem Namen "Vilm" viele Jahre als Tank- und Versorgungsschiff zur Versorgung von Marineeinheiten
eingesetzt.
1991 wechselte das Schiff den Besitzer und wurde bis 1993 in Wolgast im Rahmen eines ABM-Projekts in eine schmucke Brigg umgebaut. Eigner ist der Verein "Leben Lernen auf Segelschiffen e.V.", Heimathafen
der Brigg ist heute die norddeutsche Ostseestadt Eckernförde.
Aufgrund des Heimathafens könnte man vermuten, das ich mir wieder einen bitterkalten Ostseetörn ausgesucht habe, aber nein, die Roald segelt im Winter von Teneriffa aus zwischen den
kanarischen Inseln. Die Aussichten waren daher gut, etwas Sonne zu tanken und dem heimatlichen Winter-Schmuddelwetter zu entfliehen.
Da ich einen Tag vor Törnbeginn einen günstigeren Flug bekommen habe, bin ich schon am Vorabend des eigentlichen Anreisetags angekommen. Mein Flieger war übrigens voll von Urlaubern,
die eine Kreuzfahrt auf der AIDA-blue gebucht hatten. Trotz Aussicht auf kurze Nächte, wenig Schlaf und viel Arbeit war ich froh, nicht auf diesen Vergnügungsdampfer zu müssen. Vom Flughafen Teneriffa Süd bin ich problemlos mit dem Autobus (5,20 EUR) nach Santa Cruz gekommen, für den
restlichen Weg von der zentralen Busstation zum Hafen habe ich mir ein Taxi genommen. Die Roald war im Hafen nicht zu übersehen.
Der Empfang an Bord war sehr nett, kaum hatte ich meine - natürlich wieder völlig überladene - Tasche mit freundlicher Hilfe an Deck, wurde ich nach der ersten Begrüßung gleich an den gedeckten Tisch an Deck der Roald gebeten.
Bei so einem Empfang kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen. An Bord sind alle "per Du" und so fühlt man sich schnell zu Hause.
Durch die frühe Anreise hatte ich Gelegenheit, schon einige Mitglieder Stammcrew kennenzulernen, auch Klaus Müller, der Kapitän des Vor-Törns, war noch an Bord. Mir wurde Kammer 12 zugewiesen und ich konnte mir noch eine der 4 Kojen aussuchen. Aufgrund der Länge und der etwas größeren
Kopffreiheit habe ich mich für die Koje innen oben (12io) entschieden. Da sonst noch niemand für diese Kammer da war, konnte ich auch in aller Seelenruhe mein Gepäck auspacken und meine Koje bauen.
In Santa Cruz waren die Anzeichen für die großen Karnevalsfeiern nicht zu übersehen. Direkt am Hafen entlag zog sich eine große Kirmes, in der Nähe des Hafens waren bereits große Bühnen installiert. Karneval ist auf den kanarischen Inseln und in Spanien ein riesiges Fest.
Dementsprechend unruhig war es auch in den Nächten im Hafen. Aber die große Feier war erst für unsere Rückkehr nach dem Törn zu erwarten, da wir genau am Karnevalswochenende wieder ankommen.
Sonntag morgen wurde das Ein- und Aussetzen des Arbeitsbootes geübt und es erfolgte die Einweisung der Stammcrew in die Verschluß- und Brandabwehrrolle. Im Tagesverlauf trudelten nach und nach die weiteren Trainees (Claudia, Dido, Lilo, Nadja, Gunnar, Bruno, Wolfgang) ein.
Nur Wolfgang zog noch in meine Kammer ein, so dass wir beide ausreichend Platz hatten, uns auszubreiten. Mittags hatte ich die erste Gelegenheit, die Kombüse der Roald näher kennenzulernen. Kartoffeln schälen und Salat schnibbeln für 28 Mitsegler ist schon ganz schön anstrengend....
Nachdem alle Mitsegler eingetroffen waren, gab es das erste "All Hands". Kapitän Volker Preßler begrüßte alle Teilnehmer. Anschließend wurden die Wachen eingeteilt und die Klettergurte ausgegeben. Da ich in der Vergangenheit schon häufiger das Problem hatte, einen passenden
Gurt zu finden, habe ich mir selbst einen Gurt angeschafft und diesen zum ersten Mal mitgenommen.
Die 0-4 Wache wurde von Topsgast Ulf geführt, die 4-8 Wache von Tina, die 8-12 Wache von Nissa.
Steuerleute waren Wolfgang, Christian, Manfred und Michael als "Steuermann-Anwärter". Die Roald hatte für diesen Törn sogar zwei Smuts an Bord. Angelika und Norbert sorgten für unser leibliches Wohl, unterstützt durch die jeweils diensthabende Backschaft.
In dieser Hinsicht waren wir also bestens versorgt.
Ich hatte Glück und bin wieder im meine Lieblingswache 4-8 gerutscht. Diese Wache passt am Besten zu meinem persönlichen Tagesrhythmus und
außerdem sind die Sonnenauf- und untergänge auf See einfach phantastisch. Montag ging es dann gegen Mittag endlich los. Nach der obligatorische Sicherheitseinweisung und dem erste Riggtraining legten wir um 14.30 Uhr ab. Bei zunächst schwachem Wind (NE 2) ging es erst einmal um die Nordspitze Teneriffas in Richtung "La Palma".
Mehr gibt es auf der nächsten Seite.