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Segeln in der Wintersonne mit der Brigg "Roald Amundsen" - Seite 2
Trotz des eher mäßigen Windes hatten alle ein breites Grinsen im Gesicht. So ein Hafentag ist ja ganz nett, aber wir sind ja schließlich zum Segeln an Bord gekommen.
Mit dem Ablegen starteten die normalen Seewachen und mit jeder Seemeile, die wir uns von Santa Cruz/Teneriffa entfernt haben, spürte man, wie sich die Leute an Bord entspannten.
Die Bordroutine nimmt einen schnell gefangen und der Kopf wird von allen negativen Gedanken förmlich "freigepustet". Es klingeln keine Handys mehr, der Stress und der dauernde Blick
auf die Uhr bleiben schnell auf der Strecke.
Die erste Zeit fuhren wir unter Maschine, die Steuerleute hatten so Gelegenheit, sich mit dem Schiff vertraut zu machen und einige Manöver zu fahren. So wurde dann auch das
"Boje-über-Bord-Manöver geübt. Nur gut, dass sich hier nur die Boje kalte Füße geholt hat, es hat doch eine ganze Zeit gedauert, bis das Manöver erfolgreich abgeschlossen war.
Anschließend wurden sobald wie möglich die ersten Segel gesetzt und plötzlich war es ganz ruhig an Bord - Erna, unser langsam laufender Schiffsdiesel, hatte Pause. Darauf haben wir alle gewartet und
Andreas, unser Maschinist, konnte seine wohlverdiente Ruhepause antreten.
Die ersten Nächte an Bord habe ich aufgrund der ungewohnten Umgebung und der Geräuschkulisse in Santa Cruz noch nicht besonders gut geschlafen, was sich aber in der ersten Nacht auf See erledigt hatte.
Auch das frühe Aufstehen um 03.30 Uhr bereitete keine großen Probleme.
Am nächsten Tag war der ohnehin geringe Wind fast völlig eingeschlafen, bei Windstärke 1-2 hingen die Segel der Roald schlaff herunter
unter wir machten trotz einiger Segel mehr kaum noch Fahrt über Grund. Da die Roald nur mehr oder weniger vor sich hin dümpelte, beschloss Volker, das Aus- und Einsetzen des Arbeitsbootes zu üben und nebenbei eine Fotosafari um die
Roald zu ermöglichen.
Dieses Angebot wurde bei 23 Grad C Luft- und 19 Grad C Wassertemperatur natürlich begeistert aufgenommen und so machten Robert (unser Bootsführer aus Salzburg) und Uwe des Boot klar. Das Aussetzen des Bootes
erfordert einige Leute, es sind viele Arbeitsschritte zur Vorbereitung erforderlich.
Schließlich konnte das Boot mit dem Gangspill über den Ladebaum angehoben und anschließend außenbords abgefiert werden. Über
die Lotsenleiter kletterte zunächst die Bootsbesatzung an Bord, anschließend konnten noch bis zu 4 "Fahrgäste" zusteigen. Ich hatte das Glück, bei der ersten Tour mitzufahren.
Mit der 2. Rutsche gingen dann unser Steuermann-Anwärter und Schiffsarzt Michael, sowie Nadja, Gunnar und Wolfgang auf Fotosafari. Was auf den Fotos leider nicht so gut herauskommt, ist
die sehr lange Atlantikdünung. Obwohl praktisch kein Wind vorhanden war, hatten wir eine sehr lange, ca. 3m hohe Dünung. So etwas habe ich auf Nord- und Ostsee noch nie gesehen.
Nachdem alle, die mitfahren wollten, ihre Fotos geschossen hatten, wurde das Boot wieder eingesetzt.
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Nachmittags hatten wir Gelegenheit, uns mit dem Rigg und der Kunst des Segelpackens anzufreunden.
Dabei haben wir von oben an der Backbordseite eine Schildkröte entdeckt, die an der Wasseroberfläche trieb. Mit dem lauten Ruf "Schildkröte an Backbord" wurde diese ordnungsgemäß an die Brücke gemeldet.
Ich kann nicht sagen, ob es der Ärger über diesen Lärm war oder der Schock, fast über den Haufen gefahren worden zu sein, auf jeden Fall entschloß sich die Schildkröte daraufhin, fluchtartig das Weite,
besser gesagt die Tiefe zu suchen.
Da sich auch am nächsten Tag die Windverhältnisse nicht sonderlich geändert hatten, wurden schließlich die Segel geborgen, um den Rest der Strecke bis "La Palma" mit Ernas Hilfe zurückzulegen.
Dank der klaren Anweisungen von Steuermann Manfred gelang es Jens, tatsächlich den Hafen von Santa Cruz/La Palma anzusteuern.
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Die Einfahrt in den Hafen verzögerte sich jedoch etwas, da uns der Hafenmeister zu einer Warteschleife verdonnerte. Ursache hierfür war ein Frachter, der im engen Hafen drehte. Das Anlegemanöver gestaltete
sich auch nicht ganz einfach, mehr dazu erfahrt ihr auf der nächsten Seite.
Mehr gibt es auf der nächsten Seite.