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Segeln in der Wintersonne mit der Brigg "Roald Amundsen" - Seite 4

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Bis zum Abend sind dann alle PKW's mit den Rundreisenden wieder heile angekommen. In der Nacht konnten wir uns dann noch von der anstrengenden Tour erholen. Morgens wurden wir zur Abwechslung mal auf eine sehr nette Art geweckt, 4-8-Topsi Tina ging mit der Gitarre durchs Kabinendeck und sorgte mit Musik und Gesang für einen gutgelaunten Start in den neuen Tag.

Das Lied "Heute hier, morgen dort" von Hannes Wader gehört übrigens nicht nur zu meinen persönlichen Lieblingssongs, sondern es passte auch hervorragend zu unserem "Inselhopping". Nach dem Frühstück war ein "All Hands" angesagt und es wurden die Vorbereitungen zum Ablegen getroffen, neues Ziel - mit den üblichen Vorbehalten - war Gomera. Die Wetteraussichten hätten kaum besser sein können, es waren 5-6 Windstärken und Sonne angesagt, also ideales Segelwetter. Dementsprechend gut gelaunt waren die meisten Roaldies an Bord.

Sonne und Wind - ideales Segelwetter Die Roald schiebt zum ersten Mal deutlich Lage

Der Wind und die dadurch natürlich wesentlich stärkeren Bewegungen des Schiffes forderten jedoch ihren Tribut. Einige Leute hatten mit der Seekrankheit zu kämpfen und so kam der eine oder andere Fisch auch noch zu seinem Recht (Ich habe bei dieser Gelegenheit übrigens wieder einen neuen Spruch zum Thema "Fische füttern" gelernt: Am besten trinkt man Pfefferminz-Tee und ißt dazu Schokolade - dann schmeckt es rückwärts wie "After Eight" *bg* ).

So bat mich auch Dido, die am Nachmittag Backschaft hatte, mit ihr zu tauschen, da sie sich sehr unwohl fühlte. Angesichts des herrlichen Segelwetters hielt sich meine diesbezügliche Begeisterung in Grenzen, da man aber niemanden achtern in der Kombüse stehen lassen kann, der seekrank ist, habe ich ihren Job natürlich übernommen.

Die Bedingungen in der Kombüse waren allerdings trotz des eigentlich noch gemäßigten Windes wirklich heftig. Kaum hatten Uwe und ich die Backschaft angetreten, merkten wir, dass man sich bei der Arbeit kaum auf den Beinen halten konnte. Selbst unser Smut Angelika (gibt es eigentlich auch weibliche Bezeichnungen für Smut ???) trug bereits einen Sicherheitsgurt. Um so mehr muss man anerkennen, dass wir trotz teilweise widriger Bedingungen stets pünktlich mit leckerem Essen versorgt wurden. Obwohl die Anzahl der Teilnehmer am Essen irgendwie deutlich geringer war als sonst....

Nach kurzer Zeit in der Kombüse haben Uwe und ich uns entschlossen, ebenfalls einen Sicherheitsgurt anzulegen. Es ist einfach nicht möglich, sich vernünftig festzuhalten, wenn man mit beiden Händen in der Spülschüssel hängt. Und so wurde die berühmte "eine Hand für dich" eben durch den Gurt ersetzt und wir haben uns an der Spüle eingepickt. Ich glaube, so etwas kann man am Besten als "Extreme-Backschafting" bezeichnen.

Noch ein Nachschlag zum Thema "Extreme": Angelika und Norbert war an diesem Tag eine Fischsuppe so gut gelungen (wirklich lecker!), dass auch die Kühllast unter der Kombüse Hunger bekam. Und so hat der Klabautermann dann dafür gesorgt, dass bei einer Welle der Topf mit der Suppe ins Rutschen kam und die Kühllast auf diese Weise mit einem kräftigen Schluck versorgt wurde. Irgendwie war die diensthabende Backschaft über diesen selbstlosen Service des Klabautermanns aber nicht wirklich erfreut...

Diese Spüle wird man bei Backschaft lieben Große Töpfe für hungrige Sailors
   
Die Messe der Roald im Achterschiff Die Messe der Roald im Achterschiff

Dank des kräftigen und günstigen Windes konnte das Tagesziel Gomera auch bis zum späten Nachmittag erreicht werden. Volker beschloß vor dem Hafen von Valle de Gran Rey vor Anker zu gehen. Die Ankerwinde ist übrigens eine Höllenmaschine, da muss man wirklich wissen, was man tut, bevor man an diesem Ding irgendetwas anfasst. Aus diesem Grund wird das Teil auch ausschließlich durch Bootsmann Jens-Peter bedient.

Ankern vor Valle Gran Rey Es wird klar Schiff gemacht

Am nächsten Tag wurde ein regelmäßiger Boots-Taxidienst für die Landgänger organisiert. Trainee Bruno (natürlich mit Schein) wurde kurzerhand mit als Bootsführer eingesetzt. Damit aber auch an Bord sichergestellt sein musste, dass bei Problemen genug Leute greifbar sind, konnte nicht alle gleichzeitig an Land.

Eine Gruppe unter Nissas Führung hat sich aufgemacht, einen einsamen Baum auf einem einsamen Berg zu besuchen. Meine diesbezüglichen Gelüste hielten sich aber sehr in Grenzen und so habe ich mir kurzerhand für eine Bummel durch Valle Gran Rey entschieden.

Ein einsamer Baum - das Ziel eifriger Wanderer - Foto: Uwe Schultheiß Valle Gran Rey/Gomera
   
Exotische Früche auf Gomera Freundliche Häuser auf Gomera

Der Ort ist zwar schon ziemlich fest in deutscher Hand, aber aufgrund rigoroser Bauvorschriften vom Tourismus noch nicht völlig verwüstet. Valle Gran Rey, das "Tal des großen Königs" ist selbst heute noch ein Treffpunkt der "Flower Power" Bewegung - nur sehen die Hippies von damals heute etwas älter aus.

Es gibt viele Geschäfte für Esoteriker und andere Anhänger alternativer Lebensstile und man trifft in den Straßen auf ein buntes Völkchen. Gomera ist aber für alle, die Ruhe und Erholung suchen und/oder Lust am Wandern haben, sicherlich eine Reise wert.

Um 18.45 hieß es dann Anker auf, neues Ziel sollte Puerte de Mogan auf Gran Canaria sein. Bei 1-2 Beaufort ging es los. Dementsprechend entspannt war die Stimmung an Bord.

Zeit zum Entspannen Ich habe endlich mal wieder Zeit für ein Buch - Foto: Gunnar Meyrowitz

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