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Segeln in der Wintersonne mit der Brigg "Roald Amundsen" - Seite 6
Kaum waren wir um die süd-östliche Ecke von Teneriffa herum, frischte der bis dahin kaum vorhandene Wind
deutlich auf und mit satten 6 Windstärken ging es Richtung Puerto de las Nieves im Nordwesten von Gran Canaria.
Unterwegs hatten wir dann endlich mal Gelegenheit, die liebevoll "Erna" genannte Maschine der Roald näher kennenzulernen.
Maschinist Andreas lud uns in den Maschinenraum ein und erklärte uns den Buckau Wolf Diesel und die Hilfsaggregate,
die mit schöner Regelmäßigkeit für eine gewisse Lärmbelästigung an Bord sorgen. Die Erklärungen waren hochinteressant,
aber es ist doch schöner, wenn unter Segeln Ruhe an Bord herrscht und die Aggregate nicht benötigt werden.
Der weitere Tagesverlauf war eher unspektakulär und bestand im wesentlichen aus der üblichen Bordroutine.
Ich habe mich beim Messingputzen mal der Schiffsglocke angenommen, die glänzend doch gleich viel besser aussieht. Nur hält der Glanz leider
nicht lange. Am nächsten Morgen gingen wir nach einer windigen aber sternklaren Nachtfahrt vor Puerto de las Nieves vor Anker. Ein Landgang
fand diesmal nicht statt, da der Kraftstoffvorrat unseres Dinghis doch ziemlich erschöpft war und niemand wirklich Lust hatte, auf Gran
Canaria erst einmal nach einer vermutlich weit entfernten Tankstelle zu suchen.
Die Zeit vor Anker wurde dann noch einmal für eine intensive Erste Hilfe-Übung mit präparierten "Verletzten" genutzt, die ich jedoch verpasst habe,
weil ich zusammen mit Gisela die Nachmittags-Backschaft hatte. Auch wurde das Groß-Bram-Segel angeschlagen, was in Los Christianos zwar schon vorbereitet wurde,
auf Grund der Wetterverhältnisse nicht geklappt hatte. Ansonsten war viel Zeit, um sich an Deck zu sonnen oder eine Runde schwimmen zu gehen.
Mitten in der Nacht ging es dann weiter nach Santa Cruz/Teneriffa, dem Start- und Zielpunkt unseres
Törns zwischen den kanarischen Inseln. Unterwegs sorgte noch ein Frachter für Aufregung, der eine ganze Zeitlang
auf Kollisionskurs lief und trotz diverser Anrufe per Funk nicht den Kurs änderte. Erst nachdem wir unsere Decksbeleuchtung
eingeschaltet haben und uns damit deutlich als Segelschiff auswiesen, änderte der Frachter seinen Kurs und lief achteraus vorbei.
Unser GPS verweigerte zwischenzeitlich auch noch zeitweilig den Dienst, aber auch der Ausfall der Technik konnte unsere
Ankunft in Santa Cruz nicht mehr verhindern. Gegen 12.40 Uhr waren alle Leinen fest und so konnten die Vorbereitungen für das
Käptn's Dinner beginnen. An Deck wurde das Sonnen bzw. angesichts des Wetters eher Regensegel geriggt und Tische und Bänke aufgestellt.
Unsere Smuts Angelika und Norbert hatten noch einmal alles gegeben und so wurde es trotz der Abschiedstimmung ein gemütlicher Abend mit leckerem Essen und dem
ein oder anderen Anlegerbier bzw. -wein. Insgesamt ein toller Törn, der Lust auf mehr macht. Ich kann es schon gar nicht mehr erwarten, das nächste Mal auf der Roald zu segeln.