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Törn 111 Eckernförde - NOK - Amsterdam - Seite 1

Dieser Bericht besteht (noch) aus 2 Seiten. Seite 2

Bei meinem Kanaren-Törn (Törn 100 im Januar 2005) habe ich erstmalig die deutsche Brigg "Roald Amundsen" persönlich kennengelernt. Da mir das Schiff und die Atmosphäre an Bord sehr gut gefallen haben, konnte ich es kaum erwarten, wieder an Bord zu gehen.

Anfang Mai habe ich schon einmal während der Werftzeit wieder für ein paar Tage "Roald-Luft" geschnuppert (irgendwie roch die aber verstärkt nach Labsal, Teer und Lackfarbe). Bei der Werftzeit hatte man die Gelegenheit, das Schiff einmal in allen Details näher kennenzulernen, außerdem waren handwerkliche Fertigkeiten aller Art gefragt, die man entweder hatte oder sich dank geduldiger Anleitung teilweise auch aneignen konnte. Außer einem Verholen am Kai (um die andere Rumpfseite streichen zu können) hat sich das Schiff dabei aber nicht sehr weit bewegt.

Diesem Bewegungsmangel musste ich natürlich abhelfen und habe daher in Verbindung mit 2 Tagesfahrten am letzten Wochenende der Kieler Woche noch den Törn 111 gebucht. Dazwischen konnte ich an Bord übernachten, was angesichts meiner Anfahrtstrecke von ca. 500 km natürlich sehr praktisch war.

Langeweile kam an den Tagen bis zum Törnstart aber nicht auf. Die Roald war an beiden Tagen mit einem Kamera-Team vom Fernsehen in der Eckernförder Bucht unterwegs. Aufgrund der vertraglichen Verpflichtungen, die der Verein LLaS e.V. mit dem Sender eingegangen ist, kann ich an dieser Stelle derzeit noch keine näheren Angaben zu den Dreharbeiten machen. Nachfolgend aber schon einmal ein paar unverbindliche Schnupper-Fotos. Auf jeden Fall hat der Kurz-Trip einigen Leuten vom Fernsehteam so gut gefallen, dass wir sie vielleicht einmal auf einem Törn an Bord wiedertreffen.

Radi und Manfred Schlenz Skeptische Blicke ins Rigg
   
Blauer Himmel und weiße Segel - einfach genial Es ist sichtlich schwer, sich dem Roald-Virus zu entziehen

Vielleicht kann ich später an dieser Stelle mehr dazu berichten. Der anschließende Törn startete dann am Mittwoch. Es sollte von Ecktown (Eckernförde, der Heimathafen der Roald) durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Amsterdam gehen. Zunächst mussten jedoch noch vor dem Eintreffen der neuen Trainees die letzten Spuren der Dreharbeiten beseitigt werden, desweiteren war noch einiges an Frisch-Proviant für die nächste Woche zu bunkern. Hier musste ich feststellen, dass Leute wie ich, die eigentlich viel zu früh an Bord waren, gerne als zusätzliche Arbeitskraft mit eingesetzt werden.

Das war aber kein Problem für mich, da ich einerseits darauf vorbereitet und andererseits bereits seit der Kieler Woche diesbezüglich voll im Training war. Und so habe ich mich zusammen mit "Proviant-Meister" Burkhardt um die notwendigen Einkäufe gekümmert. Steuermann Thilo hatte hierfür netterweise seinen Kombi mit Zieleinrichtung (auch Stern genannt) zur Verfügung gestellt. Trotz des nicht gerade kleinen Kofferraums mussten wir mehrmals fahren, um alle Einkäufe zu erledigen. Die Kassiererinnen bei Aldi (und besonders die Kunden in der Schlange hinter uns) waren bestimmt froh, als wir endlich verschwunden waren ;-)

Der Einkauf gestaltete sich nicht nur aufgrund der großen Mengen etwas kompliziert, nein, wir mussten auch einige Sonderwünsche des Kapitäns Manfred Schlenz befriedigen. Manfred wollte seinen 50. Geburtstag auf dem Weg nach Amsterdam feiern und hatte sich dafür ein opulentes Käptn's Dinner ausgedacht. Die Beschaffung der Zutaten gestaltete sich allerdings nicht ganz einfach und so war unsererseits auch ein gewisses Improvisationstalent gefordert...

Nach dem Bunkern der Einkäufe waren aber auch alle neuen Trainees an Bord und so konnten wir endlich ablegen. Ziel für den ersten Abend war es, vor der Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals in Kiel-Holtenau auf Reede zu gehen. Um dieses Ziel zu erreichen, musste die Roald aber mit Volldampf unter Maschine laufen - mit Segeln war es daher an diesem Tag leider nichts mehr. Wir erreichten dann aber noch spät abends unsere Warteposition und gingen dort vor Anker. Nach dem anstrengenden Tag war das Ankerbier besonders lecker. Es war übrigens kein Problem, dafür einen Sponsor zu finden - die Truppe an Bord war offensichtlich ganz prima.

Morgens war dann zeitig der Lotse für die Kanaldurchfahrt bestellt und entsprechend früh hieß es dann "Anker auf". Bei dieser Gelegenheit konnte ich zum ersten Mal beim Stauen der Ankerkette mitwirken - ich durfte mich zusammen mit "Maschinen-Assi und Deckshand in Lauerstellung" Ralf in das blaue Ganzkörperkondom zwängen. Ich hatte aber die deutlich leichtere Aufgabe, denn ich musste nur mit der Taschenlampe für die notwendige Beleuchtung sorgen. Anschließend ging es dann am Tissen-Kai und am alten Leuchturm vorbei in Richtung Schleuse Holtenau.

Blick auf den Tissen-Kai und den alten Leuchtturm Nord in Holtenau Einfahrt in die Schleuse Holtenau

In der Schleuse war früh am morgen schon einiges los und so mussten wir uns hinter einigen großen Frachtern in die Schleuse quetschen. Beim Festmachen in der Schleuse stieg daher der allgemeine Adrenalin-Spiegel deutlich an, aber es ist alles gut gegangen und wir haben die Roald mit heilem Klüverbaum und auch sonst unbeschädigt in die Schleuse bekommen.

Bei der Ausfahrt hat man dann gemerkt, wie wichtig es ist, die Leinen gut zu belegen, denn der Frachter vor uns entwickelte in seinem Kielwasser so einen starken Sog, dass die Roald sonst von ganz alleine hinterhergefahren wäre. So sind wir dann aber mit gehörigem Sicherheitsabstand aus der Schleuse gefahren. Auf dem NOK wurde es dann erst einmal sehr ruhig und es war ausreichend Zeit für die Einteilung der Wachen und die erste Rigg-Einweisung.

Einteilung der Wachen Zeit für die erste Rigg-Einweisung

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